Vortrags-Veranstaltung

Bindung und Urvertrauen

Bindung

Termin: 26. Oktober 2017, 18.30 Uhr
Ref.: Y. Telzerow-Gernhardt
Ort: Teestube Lüchow, Königsberger Str. 5

Kindern liebevoll den Weg ins Leben zeigen - das ist wohl ein ureigenster Eltern-Wunsch.

Warum gestaltet sich dieser Weg manchmal einfacher, manchmal schwieriger?

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Ansprechpartnerin "Vorträge"

Yvonne Telzerow-Gernhardt
Dorfstrasse 23
29491 Prezelle
Tel.05848 - 609

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Ihr Weg zu uns

von Adresse: zu:

himmelundmehrTermin: 21. September 2011
Referentin: Alexandra Pohlmeier
Ort: Kino "Alte Brennerei", Lüchow

Aufgrund des großen Interesses wurde die Filmvorführung von "Himmel und Mehr" im Kino "Alte Brennerei" wiederholt; dieses Mal mit der Regiesseurin Alexandra Pohlmeier.

 Ein Film von Alexandra Pohlmeier

„Himmel und mehr" zeigt Leben und Werk der heute 94jährigen Bildhauerin Dorothea Buck.

1917 geboren gerät Dorothea Buck mit neunzehn Jahren in eine schwere psychische Krise. Die ärztliche Diagnose Schizophrenie stempelt sie im Dritten Reich als minderwertig ab, gemäß dem Erbgesundheitsgesetz wird sie 1936 zwangssterilisiert. Einige Jahre später entgeht sie nur knapp der „Euthanasie". Entgegen der ärztlichen Unheilbarkeitsprognose versucht Dorothea Buck zu verstehen, was sie in die Psychose getrieben hat und entwickelt eine eigene Theorie ihrer Erkrankung. So findet sie schließlich den Schlüssel zur Heilung. Untrennbar damit verbunden ist ihre Entwicklung zu einer ausdrucksstarken und vielfach ausgezeichneten Bildhauerin.

Die Regisseurin Alexandra Pohlmeier hat Dorothea Buck zwischen 2001 und 2008 regelmäßig in ihrer Hamburger Atelierwohnung besucht und auf ihren Reisen begleitet, um diese große Lebenserzählung festzuhalten. Ergänzt wird sie durch die Außenperspektive der jüngeren Schwester, die ein Schlaglicht auf die Rat- und Hilflosigkeit von Angehörigen psychisch Erkrankter wirft. Akzentuiert eingeschnitten zeugt Dorothea Bucks bildhauerisches Schaffen von einer außerordentlich kraftvollen Persönlichkeit.

„Himmel und mehr" ist ein Film über eine mutige Frau - ein Film, der Mut macht.

Stimmen zum Film

Nur 90 kurze Minuten dauert dieser Film. Doch über sieben lange Jahre hinweg hat die Filmemacherin Alexandra Pohlmeier die „Grande dame" der Deutschen Psychiatrie-Erfahrenen-Bewegung immer wieder besucht, und sich die ergreifende Geschichte ihres Lebens berichten lassen. Entstanden ist ein kurzweiliges, sehr beeindruckendes Porträt..."
Ilse Eichenbrenner, mehr (www.psychiatrie.de)

Da ist ein im tiefsten Sinne schöner Film entstanden. Am meisten beeindruckt mich Ihre Menschlichkeit,
Ihr Humor und Ihre Kunst."
Brief an die Protagonistin

Die Erzählung einer Frau, die ihr Leben trotz widrigster Umstände gemeistert hat."
Robert Burg in „Der Ring"

Ich hoffe, dass noch viele Menschen den Film sehen und erleben. Er macht Mut."
Psychosoziale Umschau

Team

Buch/Regie/Kamera/Schnitt/Produktion: Alexandra Pohlmeier
Grading Ronney Afortu: optical art
Sounddesign & Mix: Hartmut Teschemacher, KonkenStudios
Musik: Karl Henn
mit freundlicher Unterstützung der Bettina Wilhelm Filmproduktion

gefördert von: Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein GmbH
Präsentationsförderung: Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein, Filmwerkstatt Kiel

Mitwirkende

  • Dorothea Buck, Hamburg
  • Anne Fischer, Norderstedt
  • Manuela Ziskoven, Stuttgart
  • Prof. Dr. Andreas Heinz, Charité Berlin
  • Prof. Dr. Thomas Bock, Universitätsklinikum Hamburg

Die Protagonistin

1917 geboren als Tochter eines evangelischen Pfarrers
1936 – 1959 fünf schizophrene Schübe
1936 Zwangssterilisation in der Anstalt Bethel
1942-44 Frankfurter Kunsthochschule, Städel
1952-59 Kunsthochschule Hamburg, Meisterklasse bei Prof.Scharff, Prof. Ruwoldt, Prof.Seitz
1945 - 69 freischaffende Bildhauerin
1969 - 82 Lehrerin für Kunst und Werken an der Fachschule für Sozialpädagogik, Hamburg
1987 Mitbegründerin „Bund der Zwangssterilisierten und „Euthanasie"-Geschädigten e.V."
1989 mit Prof. Dr. Thomas Bock Erfinderin des „Psychose-Seminars"
1990 „Auf der Spur des Morgensterns - Psychose als Selbstfindung", 2005 ergänzte Neuauflage)
1990-2008 Mitwirkung am Schulprojekt „Irre menschlich e.V.", Ehrenvorsitzende
1992 Mitbegründerin „Bundesverband Psychiatrie- Erfahrener e.V."
bis heute dessen Ehrenvorsitzende
1996 Namensgeberin für Dorothea-Buck-Haus in Bottrop (Wohnheim für psychisch Erkrankte)
1997 Bundesverdienstkreuz 1.Klasse
2006 „70 Jahre Zwang in deutschen Psychiatrien"
2007 Rede auf internationalem Kongress, Dresden
2008 -Großer Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland für ihr Lebenswerk
- Aufstellung ihrer Skulptur „Mutter und Kind" im Gedenkraum der Charité Berlin
Sept.2008 Rede zur „Euthanasie" am zukünftigen Gedenkort „Tiergartenstraße 4" Berlin

Die Regisseurin

Nach kurzer Tätigkeit als Pflegehelferin in einer psychiatrischen Klinik hat Alexandra Pohlmeier
1986 die Münchner Filmhochschule abgeschlossen.
Seither arbeitet sie als freischaffende Autorin, Regisseurin und Produzentin in Berlin und Nordfriesland.
2009 Mediensonderpreis der DGSP

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"Unglaublich gradezu" – diese Worte kommen der heute 94jährigen Bildhauerin Dorothea Buck oft über die Lippen. Besonders oft, wenn sie die menschenunwürdige Behandlung beschreibt, die sie - und viele andere mit ihr - in der Psychiatrie erlebt haben.

Sie ist eine der ganz wenigen, die die Psychiatrie im 3. Reich überlebt hat, wenn auch nicht ganz unbeschadet: 1936 - mit 19 Jahren - als schizophren diagnostiziert, wird sie gemäß dem Erbgesundheitsgesetz zwangssterilisiert. Während ihres dritten psychotischen Schubs 1943 in der Frankfurter Universitätsklinik mit Insulinschocks behandelt, entgeht sie nur knapp der „Euthanasie". Bis 1959 erlebt sie insgesamt fünf solcher Schübe mit Klinikeinweisung und der jeweils neuesten Behandlungsmethode: Alle diese medizinischen Behandlungsversuche erlebt sie als reine Symptomverdrängung, entwürdigend, sie nur als Objekt irgendwelcher ärztlicher Dogmen betrachtend, nicht als Subjekt, als Mensch, der Hilfe und Zuwendung während der extremen Erlebnisse in ihren Krankheitsphasen bräuchte.

Wegen der Zwangssterilisation darf sie ihren eigentlich angestrebten Beruf der Kindergärtnerin nicht ausüben. So folgt sie ihrer künstlerischen Begabung und wird Bildhauerin. Beim Modellieren kann Dorothea Buck ihren Gefühlen freien Lauf lassen und gewinnt durch das künstlerische Werk, das sie über die Jahre schafft, allmählich das Selbstvertrauen zurück, das ihr mit der Zwangssterilisation und dem Stempel „minderwertig" vollkommen zerstört war.

Parallel zu ihrer Entwicklung als ausdrucksstarke und vielfach ausgezeichnete Bildhauerin schöpft Dorothea Buck die nötige Kraft, sich selbst zu helfen, wo die Ärzte sie als „unheilbar" aufgegeben hatten.

Nach und nach erklärt sie sich ihre „verrückten" Erlebnisse als Botschaft ihres eigenen Unbewussten, das in diesen Krankheitsphasen aufbricht, um Konflikte, die sie mit ihren bewussten Kräften nicht lösen kann, zu bearbeiten. Gerade der Sinn, den Dorothea Buck in ihren psychotischen Phasen, für sich und ihr Leben entdecken konnte, hat sie von dieser schweren Erkrankung genesen lassen, die bis heute von den meisten Psychiatern als sinnloses Geschehen eines entgleisten Hirnstoffwechsels gedeutet wird.

„Unglaublich gradezu" wie die alte Dame trotz der Schrecklichkeiten, die sie am eigenen Leib erfahren hat, von ihren Erlebnissen und Erfahrungen mit so viel Lebensenergie spricht und Hoffnung macht - sowohl auf eine menschwürdigere Psychiatrie als auch auf eine bessere Welt.

Ganz zurecht wurde ihr deshalb 2008 der Große Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland für ihr Lebenswerk verliehen (und dieser Film gemacht!).

Dorothea Bucks große Lebenserzählung macht Mut, sich auf seine innere Stimme zu verlassen, seinen ganz eigenen Lebensweg zu verfolgen und so am Ende ein erfülltes und erfolgreiches Leben führen zu können.

„Unglaublich gradezu" was ich alles von der alten Dame gelernt habe und immer noch lerne. Unsere Freundschaft, die mit der gemeinsamen Arbeit an dem Film gewachsen ist, bedeutet mir viel. Ich bin ihr unendlich dankbar für das Vertrauen und die Nähe, die sie mir schenkt. Manchmal ist sie selbst davon überrascht. So erleben wir wohl beide eine selten gewordene, tiefe Verbundenheit.

© Alexandra Pohlmeier, im April 2011

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